Good Bye, Kulturrisse

Statement der autonomen Redaktion zur Abwicklung der Zeitschrift Kulturrisse

Mitte Dezember, in der letzten Redaktionssitzung des Jahres 2013 informierte die Geschäftsführerin der IG Kultur Österreich die Redaktion über einen vier Wochen alten Vorstandsbeschluss: Die Kulturrisse wird es in dieser Form nicht mehr geben. Die Arbeitsverhältnisse der beiden koordinierenden Redakteur*innen seien zum 31. Dezember zu Ende. Die Mitglieder der Redaktion könnten sich aber gerne in einen Ende Februar startenden Relaunchprozess einbringen. Jahresplanung damit hinfällig. Auf Wiedersehen.

Allgemeine Überraschung, allgemeine Empörung, viele offene Fragen: Was ist das Problem? Gibt es einen Plan? Warum gegen die Redaktion statt mit der Redaktion? Antworten auf Fragen nach den Vorstellungen für die Zukunft gibt es jedenfalls keine: Format offen; Erscheinungsweise offen; Ausrichtung offen.

Die Kulturrisse waren eine von der IG Kultur Österreich herausgegebene Zeitschrift für radikaldemokratische Kulturpolitik. Seit 1996 versuchte sie, die kulturpolitische Debatte im deutschsprachigen Raum nicht bloß abzubilden, sondern mitzugestalten. Sie funktionierte als Debatten-Forum auch für autonome Kulturarbeit und wurde als solches breit rezipiert. Funktionsbasis der Zeitschrift war die Arbeit einer ohne Bezahlung tätigen Redaktion und entlohnter Koordinator*innen, ein weites Netz (symbolisch) honorierter Autor*innen und die Unterstützung durch das Büroteam der IG Kultur Österreich.

Bei allem Bewusstsein für die seit Jahren prekäre ökonomische Lage ist die Leichtfertigkeit, mit der die Herausgeberin ein zentrales kulturpolitisches Instrument ihrer Interessenvertretungsarbeit zur Disposition stellt, höchst befremdlich. Wenn zudem weder Wertschätzung der unbezahlten Arbeit der Redaktionsmitglieder, noch die selbstverständliche Einhaltung arbeitsrechtlicher Standards, noch eine auf Partizipation und Transparenz basierende Form der Entscheidungsfindung gewährleistet sind, können und wollen wir hier nicht weiterarbeiten.

Unser Abgang ist, so hoffen wir, ein Neuanfang.

Wien, Jänner 2014

Unterschriften:

Clemens Apprich
Ljubomir Bratić
Clemens Christl
Petja Dimitrova
Markus Griesser
Therese Kaufmann
Belinda Kazeem
Daniela Koweindl
Stefan Nowotny
Radostina Patulova
Gerald Raunig

Kulturrisse – Zeitschrift für radikaldemokratische Kulturpolitik
(1996 – 2013)
http://www.kulturrisse.at

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  1. […] seit 1996 in Wien erscheinende Zeitschrift kulturrisse wurde wohl unter unschönen Umständen abgewürgt. Die schon immer ehrenamtlich arbeitende Redaktion macht jetzt mit einer an drei […]